All you need is love?

All you need is Love?
Warum müht sich der moderne Mensch damit ab, eine Persönlichkeit zu werden, einen Charakter auszubilden und vor allem Selbstbewusstsein zu entwickeln? Warum sind die meisten Leute auf der Suche nach der Verwirklichung ihrer selbst und nach einem Sinn ihres Lebens - und warum finden sie diesen nicht selten in der Liebe? Um welchen Erfolg darf, soll, muss man sich bemühen? Warum gilt Misserfolg einzig als Auftrag, an sich selbst zu arbeiten, bestenfalls das Beste aus allem zu machen, oder – oft genug – auch einen Psychologen zu konsultieren?

Was die Psychologie als wissenschaftliche Disziplin so über die „innere Menschennatur“ in Umlauf gesetzt hat, beschäftigt längst nicht mehr nur die Fachleute. Kaum ein Tag vergeht ohne eine psychologische (V)Erklärung zu irgendeiner Verhaltensweise eines Individuums im Betrieb, in der Beziehung, in der Familie oder in der Freizeit.
Und in der Tat, man muss ja wirklich kein Berufspsychologe sein, um sich zu fragen, warum Leute tagein tagaus heucheln, warum sie sich schämen, warum sie Erfolgstypen, aus dem Durchschnitt herausragende oder wenigstens rechtschaffene Menschen sein wollen, warum sie aus enttäuschter Liebe den Partner oder sich selbst umbringen?
Um diese Fragen und ihre Beantwortung soll es bei den drei Veranstaltungen unserer Reihe "All you need is Love?" gehen.

Eine Veranstaltungsreihe von GEGEN_KULTUR, SJD – Die Falken Stuttgart, Gegenstandpunkt

Donnerstag, d. 27.03.2014, 19.30 Uhr, Ort: Kolchose Ost, Wagenburgstr. 77 in 70184 Stuttgart.

Zu erreichen mit: Bus 40 - Haltestelle: "Tunnel Ostportal",
U 15, Haltestelle: "Heidehofstraße", Bus 42 – Haltestelle: "Straußstaffel"

“Die Rolle der Privatsphäre im Kapitalismus:
Vom Glück und seinem Scheitern in Genuss und Liebe”

- Die „Privatsphäre“ ist der „eigentliche“ Lebensinhalt eines jeden in der bürgerlichen Gesellschaft – egal, welche Stellung er in der Konkurrenz erobert hat. Sie soll unabhängig vom ‚Geldbeutel‘ „sein Reich der Freiheit“ sein, die erlittenen Schäden in der Konkurrenz kompensieren.

- Liebe - das Gefühl der Zuneigung, Begierde und Leidenschaft für einen anderen ganz ohne Berechnung - wird als „ Glücksanspruch“ gelebt.

Was hat „der Rechtsanspruch auf Glück“ für Konsequenzen für den Umgang der Geschlechter miteinander?

- Die „Ehe“ oder modern: „dauerhafte Partnerschaft“ verpflichtet Liebende zu einer dauerhaften Nützlichkeitsbeziehung, - zu wechselseitigen Diensten „in guten wie in schlechten Zeiten“.

Wieso ist diese staatliche „In-Pflichtnahme“ des einen für den anderen durch eine dritte Instanz „den Staat“ - ganz unabhängig von einer andauernden Zuneigung - persönliches Anliegen, dem privat eingeforderten Liebesbeweis und „Treueversprechen“ ein amtliches Siegel zu verpassen?

- ‚Zerstörung des Glücks‘ ist durchaus Programm. ‚Kompensation‘ für die in der Konkurrenz erlittenen Schäden und zu bewältigten Härten – eine Rechnung, die in zweifacher Hinsicht nicht aufgeht: a) In der Liebe/Privatleben - Schadlos-Halten für das Bewähren und die Formen des Scheiterns in der Konkurrenz, b) aus den Anforderungen ein schönes “Heim“ zu schaffen, erwachsen weitere Anstrengung in der Konkurrenz: „Überstunden, wenig Zeit füreinander, etc. …“

Mit dem praktizierten „Rechtsanspruch auf Liebe“ ist ein Ende von Zuneigung, Liebe für den anderen nicht Grund für eine rationelle ‚Trennung von Tisch und Bett‘, sondern ein vernichtendes Urteil über seine Liebeswürdigkeit, ein Verweigern der ‚Anerkennung seiner Persönlichkeit‘ -„Eifersucht“ bis hin zum „Verbrechen aus Liebe“….die Folgen.

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Donnerstag, d. 22.05.2014, 19.30 Uhr, Ort: Kolchose Ost, Wagenburgstr. 77 in 70184 Stuttgart.

Zu erreichen mit: Bus 40 - Haltestelle: "Tunnel Ostportal",
U 15, Haltestelle: "Heidehofstraße", Bus 42 – Haltestelle: "Straußstaffel"

„Der Anspruch auf Anerkennung – Vom Scheitern in der Konkurrenz bis hin zur Selbstzerstörung“

- Was ist der Fehler an der psychologischen Stellung zu sich selbst: „Ich habe ein Recht auf Anerkennung?“

Wer angesichts aller Misserfolge, Formen des Scheiterns in seinem wirklichen Leben darauf beharrt, Anerkennung seiner Persönlichkeit/ Individualität einzufordern, hat die Beurteilung und das Suchen nach Gründen, die für sein Scheitern in der Welt der Konkurrenz dingfest zu machen sind, aufgegeben. Im Streben nach Anerkennung als Mensch überhaupt vollzieht er die Trennung von seinen Interessen und verlangt Kompensation, klagt Verständnis der Welt für sich „als Menschen pur“ ein.

- Mit der psychologischen Selbstkritik „Ich bin ein Versager“ nimmt der freie mündige Bürger sein Scheitern bitterernst, indem er „sein“ unterstreicht. „Defekte“ am eigenen „Ich“ werden als „Erklärung“ ins Feld geführt, warum er nicht können kann, was er will, sich als ‚rechtschaffener Charakter‘ zu behaupten und damit Erfolg und Anerkennung verdient zu haben. In der Selbstbezichtigung als Versager fordert er Verständnis und Anerkennung ein: „Mir steht Verständnis und Anerkennung zu, bin ich doch in einer Welt, die doch wohl mein Mittel zu sein hat, darauf angewiesen. Mit dem Befund ‚seiner Ohnmacht’, den Erfolgskriterien in der bürgerlichen Welt gerecht werden zu können, begibt er sich auf die Suche nach Voraussetzungen für seine Unfähigkeit. Wenn man auch sonst vom bürgerlichen Getriebe nichts wissen will, weil man sich in ihm zurechtfinden will, tauchen z.B. unter dem Titel „Umwelt“ und „Erziehung“ Verhältnisse auf, die für die eigenen Defekte verantwortlich sein sollen.

- In der Freiheit zur Verrücktheit betätigt sich das hinterletzte Relikt der ganzen bürgerlichen Freiheit, das übrigbleibt, wenn ein Mensch „sich“ als eigentlichen Grund für sein Scheitern in der Konkurrenz entdeckt. Der Unterschied von Verrücktheit und Normalität des bürgerlichen Individuums liegt eben nicht an der verkehrten psychologischen Stellung zu sich und seinem Treiben, sondern lediglich in ihrer Funktionalität für die bürgerliche Welt mit dem Preis der Selbstzerstörung in letzter Konsequenz.

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Donnerstag
05.06.14 Feuerwehrhaus

Die Psychologie des
bürgerlichen Individuums (Vortrag von Theo Wentzke)